Der böse Blick ist der verbreitetste Glaube der rumänischen Volksspiritualität: die meist unabsichtliche Macht des Blicks, Schaden zu verursachen. Ein schönes Kind, eine reiche Ernte, eine milchgebende Kuh, eine glückliche Hochzeit: All dies kann von einem neidischen oder allzu bewundernden Blick «berührt» werden. Das rumänische Dorf hat über die Jahrhunderte ein ganzes System von Anzeichen, Heilbeschwörungen und Schutzmitteln entwickelt, das du im Folgenden findest.
Was der böse Blick ist und wer ihn ausüben kann
Der Überlieferung zufolge kommt der böse Blick von Menschen mit «schweren Augen» — Menschen, oft ohne böse Absicht, deren Blick «schwer fällt». Selbst ein direkt ausgesprochenes Lob wie «Was für ein schönes Kind!» kann den bösen Blick bewirken, wenn es nicht von einer lösenden Formel begleitet wird: «Gott möge es behüten» oder einem kleinen Brechen des Zaubers durch Klopfen auf Holz oder drei diskrete «ptiu»-Laute. Es gibt auch den selbst verursachten bösen Blick: übermäßigen Stolz auf das Eigene.
Klassische Anzeichen des bösen Blicks
- plötzliche Kopfschmerzen und Übelkeit ohne medizinische Ursache;
- wiederholtes Gähnen ohne Müdigkeit;
- Kälte «im Rücken» und ein Gefühl der Ohnmacht;
- ein Kind, das nach einem Besuch unerklärlich weint;
- eine plötzlich nach einem Lob beginnende Pechsträhne;
- Wasser, das «mit der Hand geschlagen wurde» und nicht mehr klar wird.
Das Ritual mit Streichhölzern und dem Wasserglas
Der traditionelle Test: Man füllt ein Glas mit Wasser, macht das Kreuzzeichen, zündet dann zwei kreuzweise angeordnete Streichhölzer an und löscht sie im Wasser im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit. Wenn die Streichhölzer schwimmen — liegt kein böser Blick vor. Wenn sie sinken oder sich voneinander trennen — gilt das als Anzeichen des bösen Blicks, manchmal auch einer «mâncare» oder Verzauberung. Danach spricht die alte Frau die Beschwörung «verschlossen», also im Geheimen. Das Wasser wird danach gewöhnlich wieder klar — als Zeichen, dass das Böse entwichen ist.
Alte Schutzmittel gegen den bösen Blick
- Rot: Mărțișor, ein roter Faden am Handgelenk von Kindern und Müttern, ein rotes Kopftuch;
- Knoblauch: eine Knolle an der Tür, eine Zehe in der Tasche;
- Salz: unauffällig auf die Schwelle gestreut; «Salz und Brot» diskret gegeben;
- Gebet: Psalm 90 (Link), das über dem Kind vor dem Schlafen gesprochene Vaterunser;
- Eine kleine Ikone auf der Brust getragen;
- Die Formel «Gott möge es behüten» nach jedem Lob.
Der böse Blick und die Kirche
Die orthodoxe Kirche bestreitet die Wirklichkeit des Bösen nicht, empfiehlt aber kirchliche «Waffen»: Beichte, heilige Kommunion, Weihwasser vom Fest der Taufe des Herrn, das Singen von Psalm 90 und den Ruf nach dem Priester zur Haussegnung. Beschwörungen, «die Geister rufen», werden abgelehnt; Gebet und Kreuzzeichen bejaht. Alte Frauen, die mit einer Heilbeschwörung «die Scham binden», werden mit Mitgefühl und Respekt betrachtet, nicht als Hexen.
Häufige Fragen
Kann ich selbst erkennen, ob jemand den bösen Blick auf mich gerichtet hat?Die oben genannten Anzeichen — plötzlicher Kopfschmerz, Gähnen und Kälte nach einer Begegnung — sind der klassische Hinweis. In der Überlieferung liefert das Streichholzritual das «Urteil».
Kann ein Gebet die Beschwörung ersetzen?Für orthodoxe Gläubige ja: Psalm 90 und das Gebet zum heiligen Erzengel Michael sind die geheiligte «Beschwörung» der Kirche — siehe die folgenden Links.